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Handelsbilanz vs. Steuerbilanz – Unterschiede erklärt

Was ist der Unterschied zwischen Handelsbilanz und Steuerbilanz? HGB vs. Steuerrecht, Maßgeblichkeitsprinzip und BilMoG-Auswirkungen einfach erklärt.

⏱ 8 Min. Lesezeit 🇩🇪 Deutschland · HGB 📅 März 2026

Handelsbilanz und Steuerbilanz – Warum gibt es zwei Bilanzen?

Viele Unternehmen in Deutschland müssen zwei verschiedene Bilanzen erstellen: die Handelsbilanz nach HGB und die Steuerbilanz nach Steuerrecht. Beide bilden dieselbe unternehmerische Realität ab – aber nach unterschiedlichen Regeln und zu unterschiedlichen Zwecken.

📖 Grundprinzip

Die Handelsbilanz dient der Information von Gesellschaftern, Gläubigern und der Öffentlichkeit. Die Steuerbilanz dient der Gewinnermittlung für das Finanzamt. Seit dem BilMoG (2009) bestehen erhebliche Unterschiede zwischen beiden.

Das Maßgeblichkeitsprinzip

Historisch galt in Deutschland das Maßgeblichkeitsprinzip: Die Handelsbilanz war die Basis für die Steuerbilanz. Durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) von 2009 wurde dieses Prinzip stark eingeschränkt. Heute bestehen zwischen Handels- und Steuerbilanz erhebliche Bewertungsunterschiede.

Unterschiede im Überblick

KriteriumHandelsbilanz (HGB)Steuerbilanz (EStG/KStG)
ZweckInformation Dritter (Gläubiger, Gesellschafter)Steuerliche Gewinnermittlung
GrundsatzVorsichtsprinzip (Imparitätsprinzip)Leistungsfähigkeitsprinzip
Immaterielle Vermögensgegenstände (selbst erstellt)Aktivierungswahlrecht (seit BilMoG)Aktivierungsverbot
Abschreibung GWGPlanmäßige AfASofortabschreibung bis 800 € netto
RückstellungenAbzinsung mit marktüblichem ZinssatzAbzinsung mit 5,5 % p.a.
Aktive latente SteuernAnsatzpflicht/-wahlrechtNicht relevant
PensionsrückstellungenMarktzinssatz (7-Jahres-Durchschnitt)6 % Rechnungszinsfuß (§ 6a EStG)

Latente Steuern

Die Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz führen zu sogenannten latenten Steuern. Diese repräsentieren zukünftige Steuerbe- oder -entlastungen, die entstehen, weil sich bestimmte Bilanzpositionen in Handels- und Steuerbilanz unterschiedlich entwickeln.

  • Aktive latente Steuern: zukünftige Steuerentlastung (Aktivseite)
  • Passive latente Steuern: zukünftige Steuermehrbelastung (Passivseite)

Praktische Konsequenzen

In der Praxis erstellen mittelgroße und große Kapitalgesellschaften oft beide Bilanzen parallel – entweder in einer einheitlichen Buchführung mit steuerlichen Korrekturbuchungen oder in getrennten Systemen. Viele Steuersoftwarelösungen (z. B. DATEV) unterstützen die automatische Überleitung von der Handels- zur Steuerbilanz.