Was ist Controlling?
Controlling bezeichnet die Gesamtheit aller Maßnahmen, die der Planung, Steuerung und Kontrolle eines Unternehmens dienen. Entgegen einer verbreiteten Fehlannahme ist Controlling nicht gleichbedeutend mit bloßer Kontrolle – der Begriff leitet sich vom englischen „to control" (steuern, lenken) ab.
Der Controller ist der „Navigator" des Unternehmens: Er stellt dem Management entscheidungsrelevante Informationen bereit, koordiniert die Planungsprozesse und überwacht die Zielerreichung. Controlling ist damit eine Querschnittsfunktion, die alle Unternehmensbereiche betrifft.
„Controlling ist eine Funktion, die durch die Bereitstellung von Methoden und Instrumenten sowie durch koordinierende Aktivitäten die Führung des Unternehmens bei der zielorientierten Steuerung unterstützt." (Horváth, Controlling)
Operatives vs. strategisches Controlling
| Merkmal | Operatives Controlling | Strategisches Controlling |
|---|---|---|
| Zeithorizont | Kurzfristig (bis 1 Jahr) | Langfristig (3–10 Jahre) |
| Hauptziel | Liquidität und Rentabilität sichern | Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum |
| Kernfrage | „Tun wir die Dinge richtig?" | „Tun wir die richtigen Dinge?" |
| Instrumente | Budget, Soll-Ist-Vergleich, Deckungsbeitrag | BSC, Portfolio-Analyse, SWOT, Szenarioplanung |
| Datenquelle | Buchhaltung, Kostenrechnung | Marktforschung, Szenarioanalyse, Benchmarks |
Aufgaben des Controllers
- Planung: Jahresbudgets erstellen, Ziele ableiten und auf Unternehmensbereiche herunterbrechen
- Reporting: Monats-, Quartals- und Jahresberichte für die Geschäftsführung erstellen
- Analyse: Abweichungen erklären, Ursachen identifizieren, Gegenmaßnahmen vorschlagen
- Koordination: Planungs- und Steuerungsprozesse zwischen Abteilungen abstimmen
- Informationsversorgung: Entscheidungsgrundlagen für das Management bereitstellen
- Risikomanagement: Risiken frühzeitig identifizieren und bewerten
Das Rechnungswesen ist vergangenheitsorientiert und liefert die Datenbasis (Ist-Zahlen). Das Controlling ist zukunftsorientiert und nutzt diese Daten für Planung, Steuerung und Entscheidungsunterstützung. Beide Funktionen ergänzen sich – ohne gute Buchhaltungsdaten ist kein effektives Controlling möglich.
Die wichtigsten Controlling-Instrumente
| Instrument | Einsatz |
|---|---|
| Budgetplanung & Soll-Ist-Vergleich | Operatives Jahrescontrolling |
| Deckungsbeitragsrechnung | Produktrentabilität, Preisuntergrenze |
| Break-Even-Analyse | Gewinnschwelle und Sicherheitsmarge |
| Balanced Scorecard (BSC) | Strategische Steuerung über 4 Perspektiven |
| SWOT-Analyse | Strategische Situationsanalyse |
| Kennzahlensysteme (DuPont, ROCE) | Finanzielle Gesamtsteuerung |
| Abweichungsanalyse | Ursachenforschung bei Plan-Ist-Differenzen |
Controlling in der Praxis
In der Praxis variiert die Ausgestaltung des Controllings stark nach Unternehmensgröße. In kleinen Unternehmen übernimmt oft die Geschäftsführung selbst einfache Controlling-Aufgaben mithilfe einer Tabellenkalkulation. In mittleren Unternehmen gibt es einen Allround-Controller, in Konzernen ganze Controlling-Abteilungen mit Spezialisten für Kostenrechnung, FP&A (Financial Planning & Analysis) und strategisches Controlling.